DP-Camp Pocking-Waldstadt

Zentrum der jüdischen Orthodoxie in Niederbayern

Zwischen 1946 und 1949 befand sich am Rande der niederbayerischen Kleinstadt Pocking das (nach Bergen-Belsen) zweitgrößte jüdische DP-Camp im Nachkriegsdeutschland und das größte in der US-amerikanischen Zone. Zeitweise über 8.000 Bewohner fanden Platz auf dem Gelände eines in den 1930er Jahren errichteten Fliegerhorsts. Neben dem Flugplatz und den Hangars waren dort rund 200 Baracken entstanden, die unter anderem eine Luftnachrichtenschule nutzte. Ab März 1945 war eine Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg an das Gelände angeschlossen. Hier wurden hunderte von Häftlingen untergebracht und für Bauarbeiten eingesetzt. Ein Großteil überlebte die Lebensbedingungen nicht.

Nach der Befreiung durch die US-Army am 2. Mai 1945 blieben einige jüdische Überlebende des Außenlagers in Pocking und gründeten eine selbstverwaltete DP-Gemeinde, die rasch anwuchs (Höchststand im Dezember 1945: knapp 200 Personen). Die Mitglieder wohnten verteilt in der Stadt in zum Teil beschlagnahmten Wohnungen und Häusern. Durch Abwanderung in größere Städte oder Emigration – vor allem seit Gründung des Staates Israel 1948 – sank die Mitgliederzahl seit Jahresbeginn 1946 jedoch beständig. 1949 löste sich die jüdische Gemeinde mit dem Wegzug der letzten knapp 70 Einwohner auf.

Parallel zur DP-Gemeinde Pocking entstand ab Januar 1946 auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers das DP-Camp Pocking-Waldstadt. Die ersten 500 Bewohner, strenggläubige Lubawitscher Chassidim mit ihrem Rabbiner, strandeten auf ihrem Weg aus der Sowjetunion in Pocking und siedelten sich, unterstützt durch die US-Army, in den leerstehenden Baracken an. Wie viele andere Überlebende der Shoa aus Osteuropa waren sie auf der Flucht vor antisemitischen Übergriffen in ihren Heimatländern. In den folgenden Monaten erreichten immer mehr sogenannte infiltrees das jüdische Assembly Center. Im Juli 1946 lebten in den ehemaligen Baracken bereits über 5.000 Menschen – anfangs unter gerade hygienisch sehr schwierigen Bedingungen.

Aufmarsch im Camp Pocking. (Repro: luxjudaica.com)

Unterstützt von UNRRA und Joint etablierten die Bewohner im von Beginn an selbstverwalteten Lager nicht nur eine gut organisierte Lagerpolizei und Feuerwehr. Bald kamen auch ein Spital, eine Bücherei, ein Theater und andere Freizeiteinrichtungen – darunter mit Hagibor und Hapoel zwei Fußballvereine hinzu. Insbesondere entstanden dort alle Institutionen, die den überwiegend strenggläubigen jüdischen Bewohnern ein traditionelles religiöses Leben ermöglichten. Insgesamt gab es vier Synagogen, eine Mikwe, zwei Cheder (Talmud-Thora-Schulen) und Jeschiwot (Lubawitscher und Klausenburger) und eine Jawne-Schule. Die Kinder wurden in einem Kindergarten versorgt oder lernten in der jüdischen Volksschule des Camps; zusätzlich zum Spital kümmerte sich der Krankenversorgungsdienst Bikur-Cholim um die Patienten, während eine große koschere Küche die Verpflegung des Camps übernahm.

Rabbiner Naftalie Honig mit Thora-Rolle. (Repro: luxjudaica.com)

Das Lager Pocking-Waldstadt entwickelte sich damit zu einem Zentrum der jüdischen Orthodoxie, in dem die durch die Shoa weitgehend zerstörte Lebenswelt der osteuropäischen Juden wieder auflebte. Darüber hinaus verfolgte das DP-Lager den Aufbau einer neuen jüdischen Zukunft in Israel mit für diesen Zweck gut ausgebildeten Menschen. Ein Beispiel dafür ist die hebräische Volksschule, die Anfang Februar 1946 mit zunächst drei Klassen, fünf Lehrern und 47 Kindern den Betrieb aufnahm. Bereits im Juni war sie auf 18 Lehrer und 450 Kinder in 15 Klassen angewachsen. Ab der dritten Klasse wurde Hebräisch unterrichtet, um dadurch auch Kindern ohne Vorbildung schnell fundierte Kenntnisse dieser Sprache zu vermitteln. Die Lehrkräfte wiederum konnten sich in Kursen pädagogisch weiterbilden. Eine Fachschule der World ORT Union ergänzte ab März 1946 das Bildungsangebot mit Ausbildungskursen für u. a. Schneider, Weber, Schlosser, Tischler, Radiotechniker oder Automechaniker. Auch politische Veranstaltungen fanden im Camp statt, wie im Juli 1947 die erste Landeskonferenz der zionistisch-sozialistischen Bewegung Poalei-Zion (Arbeiter Zions).

Seit Ende 1947 verringerte sich die Bewohnerzahl im Camp kontinuierlich. Auch die wenigen nicht ausgewanderten jüdischen Bewohner verließen das Lager, um in andere Städte zu ziehen. Schließlich wurde das Lager im Laufe des Jahres 1949 aufgelöst.

Die Geschichte des DP-Camp in Pocking wurde bislang nicht wissenschaftlich aufgearbeitet. Wir sichten aktuell Dokumente aus dem Instituts-Archiv, Unterlagen aus dem YIVO-Institut, Dokumente aus dem Joint und dem UN Archiv sowie weitere Bestände. Nach der Auswertung ist bei ausreichender Quellenlage eine wissenschaftliche Veröffentlichung geplant.

Hachschara als Lebenswelt junger Juden während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit

Der zionistische Terminus Hachschara (Hebräisch: Aufstieg) bedeutete in den Lebenswelten jüdischer Deutscher der 1930er Jahre bis zu dem Zeitpunkt ihrer Auswanderung oder Flucht eine vielfach erzwungene neue Biografie und den Beginn einer beruflichen Neuorientierung.

„So wollen wir leben – wie wir gesprochen haben“. Sommerlager der zionistischen Jugend auf der Hachschara Gut Bannacker bei Augburg. (Repro: nurinst-archiv)

Andere zeitgenössische Begriffe wie Berufsumschichtung oder Berufsvorlehre waren gleichbedeutend mit einem Leben und Arbeiten in jüdischen Auswandererlehrgütern (Hachscharazentren), Lehrwerkstätten oder in einem Beth Chaluz. Die leitenden Akteure der Hachschara waren zumeist deutsche Zionisten, tätig für den Dachverband zionistischer Jugendorganisationen Hechaluz. „Hachschara als Lebenswelt junger Juden während des Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit“ weiterlesen

„Illegale jüdische Immigranten“

Die Internierungscamps auf Zypern 1946–49

Haifa 28. Juli 1947: Passagiere der „Shivat Zion“ werden nach Zypern deportiert. Foto: Hans Pinn, Government Press Office/The National Photo Collection (Jerusalem) D8-03.

Nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus sahen die Überlebenden der Shoa für sich keine Zukunft mehr in Europa. Viele wollten nach Palästina, doch der jüdische Staat existierte noch nicht und die britische Mandatsmacht verhinderte die Immigration. Dennoch machten sich Zehntausende illegal auf den beschwerlichen Weg übers Mittelmeer: Nachdem sie nur knapp der Vernichtung entkommen waren, jahrelang in den DP-Camps in Deutschland, Österreich und Italien ausharren mussten, die Alpen überwunden und eine nicht ungefährliche Seereise in überfüllten Booten hinter sich hatten. „„Illegale jüdische Immigranten““ weiterlesen

Das jüdische DP-Camp Ainring (Obb.) 1945–47

Hitlers Flugplatz verwandelte sich in einen Zufluchtsort für Überlebende der Shoa

Flugleitungsgebäude und Hangar von „Deutschlands schönsten Gebirgsflughafen Ainring bei Freilassing/Obb.“. (Postkarte aus den 1930er Jahren)

Der „schönste Gebirgsflughafen“ in Ainring, wie die Nationalsozialisten den Fliegerhorst im Berchtesgadener Land nannten, wurde 1933/34 erbaut – als Landeplatz zur nahegelegenen Residenz Adolf Hitlers auf dem Obersalzberg. Einige Jahre später entstand auf dem „Regierungsflughafen“ eine Luftwaffenkaserne mit Unterkünften für rund 1.000 Soldaten, die jedoch von 1940 bis 1945 von der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug (DfS) genutzt wurden. Ab Oktober 1945 dienten die Baracken als Erstaufnahmelager für Tausende von jüdischen Flüchtlingen aus Osteuropa. Diese Menschen hatten in den NS-Lagern, im Untergrund, bei den Partisanen oder in der Sowjetunion überlebt und waren auf dem Weg nach Palästina oder Übersee. Für sie gab es in Europa keine Zukunft mehr. „Das jüdische DP-Camp Ainring (Obb.) 1945–47“ weiterlesen

Bayerisch Gmain und Prien

Jüdische Kinderlager im
bayerischen Alpenvorland 1946-48

Buchtitel Heimatlos - Displaced Children's Camps in Bayerisch Gmain und Prien
174 Seiten, 21 Abb. s/w
22 x 14,5 cm, Pb., 2021
ISBN 978-3-938286-54-8
ANTOGO Verlag

„Sie hatten nicht überlebt, sie existierten einfach länger als die Konzentrationslager,“ mit diesen Worten beschreibt der Historiker Lawrence Langer die allgemeine körperliche und mentale Verfassung der geretteten europäischen Juden. Unter den Überlebenden befanden sich auch Kinder und Jugendliche, die zum Teil schwer traumatisiert waren und kaum soziale Verantwortung und gefestigte Moralvorstellungen kannten – sie hatten weder eine Schule besucht noch eine Ausbildung absolviert. Ihnen galt die besondere Aufmerksamkeit der jüdischen und internationalen Hilfsorganisationen. „Bayerisch Gmain und Prien“ weiterlesen

„Stammerer School Geretsried“

Die jüdische Sonderschule für Gehörlose und Sprachbehinderte im DP-Camp Geretsried

„Im Lager Geretsried haben wir ein interessantes Experiment in Angriff genommen“, notierte eine Mitarbeiterin der Jewish Relief Unit unter dem Betreff „Stottererschule“. „Jüdische DPs, die bedingt durch Kriegshandlungen oder ihren Aufenthalt in den Konzentrationslagern unter Artikulationsproblemen leiden“, erhalten ab Mai 1947 dort eine spezielle Förderung und therapeutische Behandlung.

„„Stammerer School Geretsried““ weiterlesen

Die jüdische Polizei: von der Ghettopolizei zur demokratischen Ordnungsmacht

Jakub Lejkin, der später getötete zweite Polizeichef im Ghetto Warschau, beim Appell des jüdischen Ordnungsdienstes. (Foto: Bundesarchiv 101I-134-0792-27 / Knobloch, Ludwig - Wikipedia)
Jakub Lejkin, der später getötete zweite Polizeichef im Ghetto Warschau, beim Appell des jüdischen Ordnungsdienstes. (Foto: Bundesarchiv 101I-134-0792-27 / Knobloch, Ludwig – Wikipedia)

„Die jüdische Polizei hat ein trauriges Kapitel in der Geschichte des jüdischen Volkes geschrieben, da sie ständig das Werkzeug der herrschenden Ordnung war“, beklagte die jiddische DP-Zeitung Undzer Wort und appellierte gleichzeitig an die Bewohner der Camps: „Nun müssen wir uns aber loyal verhalten und unserer Polizei kein Misstrauen mehr entgegenbringen.“ Obwohl es in den jüdischen Gemeinschaften und Siedlungen „Die jüdische Polizei: von der Ghettopolizei zur demokratischen Ordnungsmacht“ weiterlesen

Das Internationale Kinderzentrum Aglasterhausen auf dem Schwarzacher Hof 1945–48

Ein sicheres Zuhause: das UNRRA Kinderlager auf dem Schwarzacher Hof
(Foto: US National Archives and Records Administration – Public Domain)

Seit den 1930er Jahren betreut die Diakonie auf dem Schwarzacher Hof (LK Neckar-Odenwald) geistig und körperlich behinderte Menschen. Doch während des nationalsozialistischen Regimes wurden auch aus dieser beschützenden Anstalt über 200 Heimbewohner abgeholt und im Rahmen des verbrecherischen Euthanasie-Programms ermordet. „Das Internationale Kinderzentrum Aglasterhausen auf dem Schwarzacher Hof 1945–48“ weiterlesen

Displaced Persons (DP) Camps Gabersee und Attel

Autonome jüdische Zentren in Wasserburg am Inn

9783938286487
174 Seiten, 16 Abb. s/w
22 x 14 cm, Pb., 2016
ISBN 978-3-938286-48-7
ANTOGO Verlag

Die Geschichte der jüdischen DPs in Wasserburg ist bis heute kaum bekannt: Zwischen 1946 und 1950 wurde die kleine mittelalterliche Stadt zum Zufluchtsort für ein paar Tausend Überlebende der Shoa aus Polen, Ungarn, Rumänien und der Tschechoslowakei. Das Kloster Attel und die ehemalige Heil- und Pflege-Anstalt Gabersee verwandelten sich für einige Jahre in jüdische Enklaven. „Displaced Persons (DP) Camps Gabersee und Attel“ weiterlesen

TV-Feature: In den Ruinen von Nürnberg

 Jüdische Waisenkinder als authentische „Filmstars“

Die Wagenkolonne mit den Kindern fährt über den Hauptmarkt, im Hintergrund die Frauenkirche. (Filmszene aus "The Search", © Praesens-Film, Zürich)
Die Wagenkolonne mit den Kindern fährt über den Hauptmarkt, im Hintergrund die Frauenkirche. (Filmszene aus „The Search“, © Praesens-Film, Zürich)

Kurz nach dem Krieg wurde die Trümmerlandschaft Nürnbergs Schauplatz für den semidokumentarischen Spielfilm „The Search“ (dt. Titel: Die Gezeichneten). In diesem Streifen thematisierte der aus Wien in die USA emigrierte österreichische Regisseur Fred Zinnemann anhand der Odyssee eines kleinen Jungen das schwere Schicksal der vielen Waisenkinder, deren Eltern den „TV-Feature: In den Ruinen von Nürnberg“ weiterlesen

Geraubte jüdische Bücher – Julius Streichers Bibliothek

Lesefibel von Ilse Wertheimer
Lesefibel von Ilse Wertheimer. Diese hebräische Lesefibel befand sich über 60 Jahre lang in der aus jüdischem Besitz zusammengeraubten „Stürmer“-Bibliothek. Ende 2002 wurde der Band restituiert. (Repro: nurinst-archiv)

Im Rahmen eines Forschungsprojektes recherchiert das Nürnberger Institut für NS-Forschung die Entstehungsgeschichte sowie den Verbleib der sogenannten Stürmer-Bibliothek, die der Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts „Der Stürmer“, NSDAP-Gauleiter Julius Streicher, in ganz Europa vornehmlich aus jüdischem Besitz zusammengeraubt hatte. Bei Nachforschungen in diversen israelischen und amerikanischen Archiven konnten dabei unbekannte Dokumente der damaligen US-Besatzungsbehörden sowie jüdischer Interessenverbände eingesehen werden.

Nach der Niederschlagung des NS-Regimes entdeckten US-Soldaten im Redaktionsbüro „Geraubte jüdische Bücher – Julius Streichers Bibliothek“ weiterlesen

Destination: Down Under

Jüdische Immigration nach Australien 1946–51

Mit einem Team der Medienwerkstatt Franken reiste Jim G. Tobias 2009 nach Australien, um das hierzulande unbekannte Kapitel der jüdischen Immigration nach Down Under filmisch zu dokumentieren. Shoa-Überlebende berichten von ihrem Zwangsaufenthalt nach 1945 in den sogenannten Displaced-Persons (DP)-Camps und ihrer Reise in die neue Heimat.

Der Autor sprach mit ehemaligen DPs, die seit über 60 Jahren in Sydney und Melbourne eine neue Heimat gefunden haben, und recherchierte in australischen, israelischen sowie US-amerikanischen Archiven.
Weitere Informationen finden Sie hier

Nach der Shoa: Neue Heimat down under

AUS-Flagge
English

Die Emigration jüdischer
Displaced Persons nach
Australien 1946–51

Titelbild Neue Heimat Down Under
120 Seiten, 15 Abb. s/w
22,5 x 15 cm, Hardcover
incl. 1 DVD, 2014
ISBN 978-3-938286-43-2
ANTOGO Verlag

Nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus hatten sich für einige Jahre nahezu 200.000 Überlebende der Shoa in Deutschland aufgehalten, die in zahlreichen sogenannten Displaced Persons (DP) Camps auf ihre Ausreise nach Palästina/Israel oder in andere Emigrationsländer in Übersee warteten. Bis zum Ende des Jahres 1948 immigrierten über hunderttausend Juden in den neugegründeten Staat Israel – trotz des dort tobenden Krieges. Gleich nachdem David Ben Gurion die Unabhängigkeit verkündet hatte, musste sich „Nach der Shoa: Neue Heimat down under“ weiterlesen

TV-Portrait Eisemann und Einstein

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Kurt Eisemann auf dem Campus der San Diego State University (Foto: nurinst-archiv)

Kurt Eisemann wurde als Sohn des jüdischen Arztes Dr. Lazarus Eisemann und seiner Frau Lina 1923 in Nürnberg geboren. Neben seiner Tätigkeit als niedergelassener Allgemeinmediziner engagierte sich Vater Lazarus Eisemann ehrenamtlich im Wohltätigkeitsverein der jüdisch-orthodoxen Religionsgemeinschaft Adas Israel. „TV-Portrait Eisemann und Einstein“ weiterlesen

Gesundheitsversorgung in den jüdischen DP-Camps

Plakat des DP-Medical-Department: Durch Gesundheit zur Alija.
Plakat des DP-Medical-Department: Durch Gesundheit zur Alija (Repro: nurinst-archiv)

Die Bedingungen in den Vernichtungs-, Konzentrations- und Arbeitslagern, in Ghettos, Verstecken und auf der Flucht hinterließen nach Kriegsende tausende jüdische Frauen, Männer und Kinder in geschwächtem, wenn nicht miserablem Gesundheitszustand. Die Überlebenden benötigten dringend ambulante und stationäre Behandlung. „Gesundheitsversorgung in den jüdischen DP-Camps“ weiterlesen

Das Displaced Persons Lager Zeilsheim

Eine selbstverwaltete jüdische Enklave in Frankfurt a. M. 1945–48

9783938286425
141 Seiten, 29 Abb. s/w
22 x 14 cm, Pb.
incl. 1 DVD, 2011
ISBN 978-3-938286-42-5
ANTOGO Verlag

Nachdem die alliierten Armeen Deutschland im Mai 1945 vom Nationalsozialismus befreit hatten, lebten hier nur noch wenige jüdische Menschen. Für sie wurden im Sommer 1945 in den westlichen Besatzungszonen sogenannte Displaced Persons Camps aufgebaut (Einen Überblick über alle DP-Camps und Communities in der US-Zone gibt das Internetlexikon www.after-the-shoah.org). Durch den Zuzug tausender osteuropäischer Juden, die vor Pogromen in ihren „Das Displaced Persons Lager Zeilsheim“ weiterlesen

Jüdische Displaced Persons in Bayerisch-Schwaben 1945-50

Talmud-Thora-Schüler in Neu-Ulm
Talmud-Thora-Schüler in Neu-Ulm (Repro: nurinst-archiv)

In diesem bayerischen Regierungsbezirk befanden sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit drei jüdische Displaced Persons (DP) Camps, in Leipheim, Neu-Ulm und Lechfeld, sowie über zehn sogenannte Communities (DP-Gemeinden) etwa in Augsburg, Bad Wörishofen, Buchloe, „Jüdische Displaced Persons in Bayerisch-Schwaben 1945-50“ weiterlesen

Zur Entstehungsgeschichte der Bibliotheken in den jüdischen Displaced Persons (DP) Camps

Bibliothek
Holocaust-Überlebende in einer DP-Bibliothek (Foto: Yad Vashem)

„Nachdem ihre Bibliotheken zerstört, ihre Bücher verbrannt und ihre Schriftsteller vernichtet wurden, ist der Hunger nach Lesestoff unter den Bewohnern der DP-Camps gewaltig, sie lechzen förmlich nach Literatur.“ Mit diesen eindrücklichen Worten beschrieb ein Mitarbeiter der „Zur Entstehungsgeschichte der Bibliotheken in den jüdischen Displaced Persons (DP) Camps“ weiterlesen

Antisemitismus in Franken während der Weimarer Republik

9783938286357
267 Seiten, 20 Abb. s/w
22 x 14 cm, Pb., 2009
ISBN 978-3-938286-35-7
ANTOGO Verlag

„Völkische Zeitungen und Versammlungsredner rühmen Nürnberg als Hochburg ihrer Bewegung. Sie haben leider recht. Schon das Straßenbild zeigt dies. Die bekannte Hitler-Uniform belebt die Verkehrswege. An allen Straßenecken wird die völkische Presse, häufig von Uniformierten, feilgeboten. Öffentliche Ankündigungen, nicht nur politischer, sondern auch gesellschaftlicher Veranstaltungen treiben mit dem Zusatz ‚Juden haben keinen Zutritt‘ dem jüdischen Deutschen, „Antisemitismus in Franken während der Weimarer Republik“ weiterlesen

Ausplünderung jüdischer Bürger durch NS-Finanzbehörden in Nürnberg

Julius und Hedwig Wertheimer
Julius und Hedwig Wertheimer (Repro: nurinst-archiv)

Über ein halbes Jahrhundert musste vergehen, bis die Verstrickungen des Nürnberger Fiskus in das NS-System öffentlich bekannt wurden. Erst nach Recherchen und Presseveröffentlichungen des Journalisten und Institut-Mitarbeiters Institutes Jim G. Tobias sah sich die bayerische „Ausplünderung jüdischer Bürger durch NS-Finanzbehörden in Nürnberg“ weiterlesen

Geheime Militärausbildungscamps der Hagana in Bayern 1946-48

9783980663687g
182 Seiten, 32 Abb. s/w
22 x 14 cm, Pb., 2007
ISBN 978-3-9806636-8-7
ANTOGO Verlag

Mit den Offiziersschulen Hochland (Oberbayern) und Wildbad (Mittelfranken) unterhielt die Hagana, eine Vorläuferorganisation der israelischen Armee, zwei illegale Ausbildungseinrichtungen für jüdische Soldaten im Nachkriegsdeutschland. Nach der Niederschlagung des Nationalsozialismus strandeten Zehntausende Juden, hauptsächlich aus Osteuropa, in der US-Besatzungszone. Da die damalige britische Mandatsmacht den Überlebenden des Holocaust die Immigration nach Palästina verwehrte, „Geheime Militärausbildungscamps der Hagana in Bayern 1946-48“ weiterlesen

Scheunensynagoge Bechhofen

Innenraum der Synagoge Bechhofen (Foto: Archiv Markt Bechhofen)
Innenraum der Synagoge Bechhofen (Foto: Archiv Markt Bechhofen)

„Bekanntlich zählt die Scheunensynagoge in Bechhofen als eine der wenigen aus dem 17. Jahrhundert zu den wertvollsten jüdischen Denkmälern in Bayern“, schrieb die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung im April 1936. Das von außen nicht als Gotteshaus erkennbare Gebäude gehörte zu einer Gruppe „Scheunensynagoge Bechhofen“ weiterlesen

Das vergessene jüdische Children Center von Rosenheim

3938286318g
40 Seiten, 14 Abb. s/w
22 x 14 cm, Pb., 2006
ISBN 978-3-938286-31-9
ANTOGO Verlag

In der unmittelbaren Nachkriegszeit warteten in Bayern Zehntausende von Juden, die den Holocaust überlebt hatten, auf ihre Auswanderung nach Palästina. Allein im Distrikt München (Oberbayern und Schwaben) registrierten die Behörden im Sommer 1946 rund 33.600 jüdische DPs (Displaced Persons), dt.: verschleppte entwurzelte Menschen, in 27 sogenannten Jewish Centers. Auch in Rosenheim befand sich eine solche Unterkunft. Dieses Camp unterschied sich aber von den anderen Lagern: Hier entstand im September 1946 ein Waisenhaus für jüdische „Das vergessene jüdische Children Center von Rosenheim“ weiterlesen

Das Pogrom vom 25. März 1934 in Gunzenhausen

Ein Schulprojekt

3938286040g
61 Seiten, 3 Abb. s/w
22 x 14 cm, Broschüre, 2006
ISBN 978-3-938286-04-3
ANTOGO Verlag

Am Palmsonntag (25. März) 1934 war die Stadt Gunzenhausen Schauplatz von Gewalt gegen die jüdischen Einwohner. Ein banales Streitgespräch zwischen dem SA-Mann Kurt Bär und dem jüdischen Kaufmann Sigmund Rosenfelder stand am Anfang. Erste Höhepunkte waren die gewaltsame Entfernung des nicht-jüdischen Landwirts Leonhard Baumgärtner durch die SA aus der Wirtschaft Strauß – seit 1906 im Besitz des jüdischen Gastwirts und Metzgers Simon Strauß – bzw. die Jagd nach einem ehemaligen Mitglied des Reichsbanners, dem jüdischen Kaufmann Jakob „Das Pogrom vom 25. März 1934 in Gunzenhausen“ weiterlesen

Jüdisches DP-Camp Giebelstadt

3938286032g
41 Seiten, 1 Abb. s/w
22 x 14 cm, Broschüre, 2005
ISBN 978-3-938286-03-6
ANTOGO Verlag

Ein im oberpfälzischen Vilseck bestehendes jüdisches DP-Camp sollte im Frühjahr 1948 geschlossen werden. Doch zum Stichtag 1. Januar 1948 lebten dort noch rund 1.700 Menschen, darunter ca. 600 Kinder. Da nicht alle DPs die Möglichkeit zur sofortigen Emigration hatten, wurde deshalb ab April 1948 mit der Umsiedlung der Bewohner ins unterfränkische Giebelstadt (bei Würzburg) begonnen. Hier war zwischenzeitlich ein neues DP-Camp für Holocaust-Überlebende entstanden. Weil sich zu diesem Zeitpunkt die „Jüdisches DP-Camp Giebelstadt“ weiterlesen

Lebenswege Nürnberger Juden

3980663655_g
320 Seiten, 45 Abb. s/w
22 x 14 cm, Pb, 2003
ISBN 978-3-9806636-5-6
ANTOGO Verlag

Zwischen 1933 und 1939 emigrierten knapp 400 Juden und Jüdinnen von Nürnberg nach Palästina. Eine ganze Reihe anderer Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde waren schon zuvor ins Heilige Land ausgewandert. Denn Franken war bereits während der Weimarer Republik das Zentrum des deutschen Antisemitismus. Schon 1923 wurden Juden in Nürnberg auf offener Straße überfallen und ab 1926 organisierte die Nürnberger NSDAP den wirtschaftlichen Boykott jüdischer Geschäfte. So war vielen der hiesigen „Lebenswege Nürnberger Juden“ weiterlesen