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Das Displaced Persons Lager ZeilsheimEine selbstverwaltete jüdische Enklave in Frankfurt a. M. 1945–48Nachdem die alliierten Armeen Deutschland im Mai 1945 vom Nationalsozialismus befreit hatten, lebten hier nur noch wenige jüdische Menschen. Für sie wurden im Sommer 1945 in den westlichen Besatzungszonen sogenannte Displaced Persons Camps aufgebaut. Durch den Zuzug tausender osteuropäischer Juden, die vor Pogromen in ihren Heimatländern nach Westen flohen, mussten weitere Auffanglager errichtet werden. Diese Flüchtlinge hatten sich bei Kriegsbeginn vor den nationalsozialistischen Mördern nach Russland retten können, hatten bei den Partisanen gekämpft oder anderweitig im Untergrund überlebt. Weil die US-Militärregierung den Juden aufgrund ihres besonderen Verfolgungsschicksals eine weitgehende politische und kulturelle Autonomie einräumte, siedelten sich von den in Westdeutschland registrierten 184.000 Juden über 80 Prozent in der amerikanischen Zone an. In den Camps und neu gegründeten Jewish Communities entwickelte sich, mitten im Land der Täter, eine demokratisch verfasste, unabhängige jüdische Gesellschaft, mit eigenen Wohngebieten, Schulen, Ausbildungsstätten, Kultureinrichtungen, politischen Parteien und Sportvereinen.
In der rund dreijährigen Existenz kam es im DP-Camp Zeilsheim zu einer Wiedergeburt des osteuropäischen Judentums: Es entstand eine Synagoge, eine Jeschiwa, verschiedene allgemeinbildende und berufskundliche Schulen, ein Kindergarten, eine Bibliothek, zwei Sportvereine, ein Kino und ein Theater sowie ein Jazzorchester. Über das soziale und kulturelle Leben im Lager informierte schon ab Dezember 1945 die jiddischsprachige Zeitung Undzer Mut. Nach nur wenigen Nummern wurde dieses Blatt eingestellt und durch die Zeitung Untervegs abgelöst, die nun als Mitteilungsblatt für alle hessischen DPs diente. Der renommierte jüdische Historiker Arno Lustiger, der im Herbst 1945 in Frankfurt gestrandet war, sammelte in der Untervegs-Redaktion seine ersten schriftstellerischen und journalistischen Erfahrungen. Im polnischen Bendzin geboren, hatte Lustiger die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt. Das Zeilsheimer Camp war in der jüdischen Selbstverwaltung der Region Hessen-Nassau/Frankfurt organisiert. Das oberste politische Gremium aller fünf Regionalverwaltungen innerhalb der US-Zone, das Zentralkomitee der befreiten Juden, befand sich in München. Hier war auch das "Zentrum für Leibesübungen" angesiedelt. Mit Sport sollten die an Körper und Psyche verletzten Menschen geheilt werden, wie in einem Aufruf an die jüdische Jugend nachzulesen ist: "Wir haben n Die facettenreiche und spannende Geschichte der nahezu autonomen jüdischen Enklave Zeilsheim wartet noch darauf, wissenschaftlich erforscht und dokumentiert zu werden. Dabei kann auf umfangreiche Archivbestände in amerikanischen und israelischen Archiven zurückgegriffen werden. Zudem leben noch ehemalige Zeilsheim-Bewohner, die über ihre Erlebnisse und Erinnerungen an dieses vergessene Kapitel der deutsch-jüdischen Nachkriegsgeschichte berichten können. In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Frankfurt wurden zwischenzeitlich vier ehemalige Zeilsheim-Bewohner befragt. Aus dem umfangreichen Filmmaterial entstehen Video-Portraits für die neue Dauerausstellung des Museums. Kurze Filmsequenzen, die ab Herbst 2010 auf diese Seite eingestellt werden, geben einen ersten Einblick. Eine, auch für den Einsatz in der Bildungsarbeit geeignete, Publikation über das DP-Camp Zeilsheim mit den Zeitzeugeninterviews (auf DVD) ist für Ende 2011 geplant.
Bildunterschriften
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