Jüdische Waisenkinder in Stockholm nach 1945
In Europa ermordeten die Nationalsozialisten weit über eine Million jüdische Kinder. Die wenigen, die die organisierte Vernichtung überlebt hatten, standen nach der Befreiung vor dem Nichts, eine Heimat oder Familie gab es nicht mehr. Jüdische Organisationen nahmen sich der Waisen an und gründeten sogenannte Children Centers, in denen die Minderjährigen Zuflucht und Fürsorge fanden. Das erste Heim dieser Art in Deutschland befand sich im fränkischen Strüth bei Ansbach.
Auch die internationale Gemeinschaft erkannte die Notwendigkeit, Hilfe anzubieten. Unter anderem bestand diese darin, jüdische Waisenkinder aufzunehmen. Eines der Länder war Schweden, das bereits vor 1939 jüdischen Mädchen und Jungen aus Deutschland Zuflucht gewährte und nach Kriegsende besonders aktive Hilfe leistete.
Es wurden circa 10.000 befreite Juden, viele aus dem KZ Bergen-Belsen, im Land aufgenommen. Darunter befanden sich zahlreiche Kinder und Jugendliche, die in schwedischen Waisenhäusern und Pflegefamilien untergebracht wurden, um sich dort von den physischen und psychischen Strapazen der letzten Jahre zu erholen.
Für die meisten war Schweden allerdings nur eine Zwischenstation auf ihrem Weg nach Palästina oder Nordamerika, was sie zu Transmigranten machte. Über die Geschichte der jüdischen Waisen, die unmittelbar nach Kriegsende in Schweden aufgenommen wurden, ist wenig bekannt.
In diesem Projekt beschäftigte sich das Institut mit den schwedischen Kinderheimen, die nach 1945 jüdische Waisen beherbergten, wobei der geografische Fokus auf dem Großraum Stockholm liegt. Es wurde zum einen das organisatorische Geflecht, das die Hilfsaktionen in Schweden ermöglichte und in die Tat umsetzte, näher beleuchtet, zum anderen wurde ein Schwerpunkt auf den Heimalltag der Heranwachsenden gelegt. Ein Aufsatz zu dieser bis heute kaum aufgearbeiteten Thematik ist in unserem Jahrbuch nurinst 2008
erschienen.
Bildunterschrift: Waisenkinder im DP-Lager Belsen (Repro: Shlomo Arad)
letzte Änderung: 04.09.2009 webmaster: atg-design
© Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20.
Jahrhunderts e.V.
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