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Das vergessene jüdische Children Center von Rosenheim
Bildunterschrift: Jüdische Kinder aus dem DP-Lager Rosenheim fordern die Errichtung enes eigenen Staates in Palästina (Frühjahr 1947). Mit dem "Transient Children's Center Rosenheim" in der ehemaligen Pionierkaserne, die heute dem Bundesgrenzschutz als Unterkunft dient, entstand ein zentrales Auffanglager für jüdische Kinder und Jugendliche, deren Eltern von den Nazis verschleppt oder ermordet worden waren. Nach der Niederschlagung des NS-Systems offenbarte sich die katastrophale Lage der Kinder: Weit über eine Million wurden während der Naziherrschaft ermordet. Um die wenigen, die den Holocaust überlebt hatten, kümmerten sich zionistische Aktivisten. Die Kinder sollten umgehend nach Palästina gebracht werden, um dort die Keimzelle für den noch im Aufbau befindlichen jüdischen Staat zu bilden. Weil zu dieser Zeit eine offizielle Emigration dorthin allerdings nicht möglich war - die englische Mandatsmacht verwehrte den Juden die Einreise - brachte man die Kinder zunächst auf geheimen Wegen in die DP-Camps der US-Besatzungszone. Bereits im Sommer 1946 hatte die US-Militärregierung mit konkreten Planungen für ein Kinderlager in Rosenheim begonnen. Zu dieser Zeit gingen sie davon aus, dass im Laufe des Jahres etwa 6.000 "unbegleitete" jüdische Jungen und Mädchen, vornehmlich aus Osteuropa, in ihre Zone kommen würden. Bei der Suche nach Unterkunftsmöglichkeiten für diesen Personenkreis fiel die Wahl der Amerikaner auf die Pionierkaserne. Drei Blocks sollten als Wohn- und Schlafräume dienen, in einem Gebäude sollten die Küche, Schule und Aufenthaltsräume sowie im fünften Bau die Verwaltung und eine Bäckerei eingerichtet werden. Anfang September 1946 erreichten die ersten Kinder, die in Gruppen zu jeweils 70 bis 80 Jungen und Mädchen organisiert waren, das neue Lager. Die Kinder unterstanden zionistischen Jugendleitern. Die Gemeinschaft, die bis zur endgültigen Ansiedlung in Palästina zusammenbleiben sollte, übernahm die Rolle des zerstörten Elternhauses, gab den Kindern Halt und Geborgenheit und begeisterte sie für das Kibbuz-Leben. Zeitweise drängten sich bis zu 2.250 Bewohner in der Pionierkaserne zusammen. Davon waren 1.600 alleinstehende Kinder, 150 Kinder mit ihren Eltern sowie 500 Erwachsene. Der Aufenthalt der Jungen und Mädchen variierte von einigen Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Die Holocaust-Überlebenden nutzten die Wartezeit und bereiteten sich intensiv auf ihr späteres Leben in Palästina vor. Das Heim verfügte über eine eigene Volksschule, in der neben Hebräisch, jüdischer Geschichte, Mathematik auch Englisch auf dem Stundenplan stand. Für die Jugendlichen ab dem 14. Lebensjahr wurden berufskundliche Kurse angeboten, wie etwa, Lehrgänge zum Automechaniker, Schreiner, Werkzeugmacher oder Schneider. Ihre Freizeit verbrachten die Kinder im eigenen Sportverein, beim Boxen, Tischtennis, Volleyball, Turnen oder auf dem Fußballplatz. Zudem spielte man Schach, probte neue Theaterstücke und fuhr im Winter Schlitten, Ski oder Schlittschuh, wobei ein Teil des Sportgeräts in einer eigenen Werkstatt produziert wurde. Im Frühling 1947 spielten etwa 400 Buben und Mädchen aus dem Children Center Rosenheim in dem halbdokumentarischen Kinofilm "The Search" als Statisten mit. Regie führte Fred Zinnemann, der in seinem, an Originalschauplätzen produzierten Streifen, das Schicksal der jugendlichen Zwangsarbeit, überlebender Kinder aus den Konzentrationslagern sowie verschleppter jüdischer Jungen und Mädchen thematisierte. Einige Sequenzen des mit einem Oscar ausgezeichneten Films wurden auch in der ehemaligen Pionierkaserne gedreht. Im April 1947 wurde das Rosenheimer Kinderheim aufgelöst, die letzten jungen Bewohner in die zahlreichen Children Centers innerhalb der US-Zone übersiedelt, wie sie etwa in Aschau, Prien, Bayerisch Gmain, Indersdorf oder Lindenfels nachweisbar sind. Dort träumten sie von ihrer Ausreise ins Land Israel. Etwa 200 Kinder und Jugendliche wollten aber nicht bis zur offiziellen Proklamation des Staates Israel im Mai 1948 warten; ungeduldig versuchten sie bereits vorher illegal nach Palästina zu gelangen. Die Pionierkaserne beherbergte weiterhin Holocast-Überlebende; sie verwandelte sich von einem vorübergehenden Zuhause für Kinder in eine allgemeine Unterkunft für jüdische Displaced Persons. Im Mai 1949 wurde das Rosenheimer Lager endgültig geschlossen. Über das Rosenheimer Children Center ist ein mit zahlreichen historischen Fotos versehenes Buch im ANTOGO Verlag erschienen:
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