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1918 wurde das österreichische Bielitz zum polnischen Bielsko, um dann nach dem deutschen Einmarsch 1939 wieder umbenannt zu werden. Am rechten Ufer des Flusses Bialka und bereits in Galizien lag die Schwesterstadt Biala; später wurden die Städte vereinigt. Bielsko-Biala wird gelegentlich als Klein-Wien bezeichnet, weil viele Gebäude im Stil der österreichischen Hauptstadt gebaut wurden. Traudl wurde 1923 als Gertraud Fuchs in Bielitz geboren, wo früher ein Großteil der Einwohner deutschsprachig war. Nach Lodz war der Ort das zweitgrößte Zentrum der polnischen Textilindustrie. Die dortigen Tuchfabriken hatten nach der Erinnerung von Traudl Fuchs vorwiegend jüdische Besitzer. In Bielitz und Biala wohnten damals ungefähr 50.000 Menschen, von denen 10.000 Juden waren. Traudls Vater allerdings hatte nichts mit Tuchproduktion zu tun: Er war Tierarzt und hatte zudem einen Krämerladen vererbt bekommen. Die Familie gehörte zur angesehenen Mittelschicht, zumal Traudls Vater ein guter Kammermusiker war. Und sportlich war die ganze Familie: "Bei uns haben alle Sport getrieben, meine Eltern und Großeltern sind sogar am Wochenende im Gebirge wandern gegangen. Wir waren auch Eislaufen, doch als wir Ski bekommen haben, sind wir oft in den nahen Bergen Ski gefahren. Wir hatten erst kein Hallenbad, dann wurde jedoch eines auf einem Gymnasium nur für Jungen eröffnet, das ich jedoch zweimal in der Woche nach 18 Uhr benutzen durfte, weil mich der Turnprofessor sehr verehrte. Richtig trainieren konnte ich somit nur im Sommer. Rennen schwammen wir bei Wassertemperaturen von 14°C bis 16°C; in den Gebirgsorten waren die Bäder ja nicht wärmer. In der Hakoah waren damals sehr viele Juden organisiert, ich kann keine Anzahl sagen, aber fast jeder schwamm dort. Bei meiner ersten gewonnenen polnischen Damen-Meisterschaft 19 Die antisemitische Grundstimmung verschärfte sich Mitte der Dreißiger Jahre und 1937 kam es zu einem Aufsehen erregenden Pogrom, bei dem so gut wie kein jüdisches Geschäft verschont blieb. Nichtjüdische Läden hängten aus Angst Transparente mit der Aufschrift "Christliches Geschäft" über die Schaufenster. Eine polnische Familie half Traudl bei Kriegsbeginn und beschaffte ihr falsche Papiere. Über Rumänien floh sie nach Budapest, dort wohnte ein Cousin ihres Vaters. Als sie sich bei der Fremdenpolizei meldete, gab sie an, bei dieser bestimmten Familie wohnen zu können. Da wandte der Beamte ein, dass dies doch eine jüdische Familie sei. Traudl tat aber so, als ob sie nicht wüsste, welcher Konfession diese angehörte. Zunächst wurde sie von der Tante ihres Cousins zum Nähen geschickt. Dies blieb ihr als das schrecklichste Jahr während der ganzen Kriegszeit in Erinnerung. Danach kam sie in ein Kloster, konnte dann aber rasch in Budapest zur Schule gehen. Hierbei schaffte sie sogar das Abitur, die ungarische Matura. Traudls Papiere waren offenbar sehr gute Fälschungen und trugen maßgeblich zum Überleben bei.
1950 fuhr sie das erste Mal nach Israel zur 3. Makkabiade, an der sie auch aktiv teilnahm und in ihrer Paradedisziplin Zweite wurde. Da ihr Mann dort Verwandte hatte, besuchte sie sehr oft und regelmäßig den jüdischen Staat. Das letzte Mal war Traudl Fuchs im vorigen Jahr in Israel, aber jetzt will sie nicht mehr hin, weil es kaum mehr Angehörige ihrer Generation gebe und die Jungen zu sehr beschäftigt seien, um Zeit mit den Alten zu verbringen. Interview und Text: Peter Zinke
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