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Hannis Eltern waren nicht religiös – sie feierten nur das Pessach-Fest immer bei einem Onkel. In der zweiten Klasse Volksschule riefen ihr die Klassenkameraden zu: "Jud, Jud, spuck in den Hut." Daraufhin rannte sie heim und fragte ihre Eltern: "Bin ich Jüdin?" Als sie bejahten, schloss sie sich ein und heulte. Sie fragte sich in Wien häufig, etwa in der Straßenbahn, ob man an ihrem Äußeren erkennen könne, dass sie Jüdin ist. In Palästina legte sich das natürlich. Heute ist Hanni Lux der Überzeugung, dass Antisemitismus nicht ihr Problem, sondern das der Antisemiten ist. Ihr Vater kaufte in Wien nie ein Haus. Er pflegte zu sagen: "Dies ist nicht meine Heimat" Er war schon als Student Zionist. Ihre Mutter aber hatte einen Doktortitel in Deutsch, Französisch und Kunstgeschichte. Sie war somit der deutschen und europäischen Kultur enger verbunden. "1938 entschied ich mich, gegen Hitler zu kämpfen und emigrierte nach Palästina, um der Royal Air Force als Luftwaffenhelferin beizutreten. Ich half beim Reparieren kaputter Maschinen. Wir waren 50 Frauen unter 2.000 Männern. Die starrten uns natürlich an, als wären wir Kreaturen von einem anderen Stern. Dort traf ich auch meinen späteren ersten Mann, Jimmy, er war 21 Jahre und damit drei Jahre jünger als ich. Jimmy wollte gleich heiraten und deshalb bestellte ich in Israel das Aufgebot und Judith backte einen Apfelstrudel. Doch der einzige, der nicht zur Trauung kam, war mein Jimmy. Nun frohlockten einige junge Männer: 'Super, nun heiratet die Hanni doch nicht.' Aber es stellte sich schnell heraus, dass Jimmy in eine Ausgangssperre geraten war und keine Möglichkeit gehabt hatte, uns zu verständigen. Die Trauung wurde nachgeholt und Judith musste noch mal einen Apfelstrudel backen. Jimmy war Anglikaner und ein großer Spaßvogel. Er wollte weg von den englischen Kolonialisten aus Palästina, ist dann aber später wieder brav ins Land eingewandert. Seine Mutter war froh, dass ich Jüdin und keine römische Katholikin war." Gleich nach dem "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 emigrierte auch Hannis Familie nach Palästina. Doch wie fast alle verloren auch sie jemanden aus ihrer Familie, einen Onkel. Die ersten Jahre in Palästina waren sehr schwer, denn Deutsch war verpönt und Hanni sprach nur etwas Schulenglisch. 1945 wurden Hanni Lux und ihr Mann aus der Royal Air Force entlassen und emigrierten nach London, wo sie Volksschulpädagogik und Jimmy Mathematik und Physik studieren konnten. Wegen der Sexualtheorien Sigmund Freuds herrschte damals noch helle Aufregung, denn Sex war weitgehend tabu. Dennoch volontierte Hanni ab 1945 in einem Haus für gerettete jüdische Kinder, das von Freuds Tochter Anna in London geführt wurde. Fast alle Kinder waren traumatisiert und litten unter Schlaflosigkeit – Anna Freud beriet sie zweimal die Woche. Der Anwalt Dr. Valentin Rosenfeld, der vor dem Krieg Präsident der Schwimmabteilung von Hakoah Wien war und etwa 200 Hakoahnern die Flucht nach England ermöglicht hatte, unterstützte sie nach Kräften. Als jüdischer Verteidiger auch von Kommunisten war er in Wien doppelt unbeliebt. Er war 1938 Hals über Kopf nach England geflohen; die Nazis konnten deshalb nur noch seinen Hund erschlagen. "1950 sind wir dann wieder zurück in das frisch gegründete Israel, wo Vater uns ein Haus in Tivon kaufte und Jimmy am Technion, der 1924 gegründeten Technischen Universität Israels, in Haifa arbeitete. Ich gab Privatstunden in Englisch. Als ich das zweite Mal in den Nahen Osten auswanderte, wollte ich die Erinnerungen an Hakoah verdrängen; ich nehme deshalb bis heute nicht an deren Treffen teil. Nie wäre ich wieder nach Wien gefahren, wenn dort nicht meine reizenden Enkel wohnen würden. Mit ihnen einige Tage zu verbringen, ist wunderschön. Nur deshalb ließ ich mich auch dort für den Dokumentarfilm 'Watermarks – Hakoah Lischot' (dt. Titel: Club der Sirenen) über die Schwimmerinnen der Hakoah interviewen. Aber abgesehen davon fühle ich mich in Wien unwohl. Auch heute noch treibe ich übrigens täglich Sport, entweder Gymnastik oder Schwimmen." Interview und Text: Peter Zinke
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