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"Zu Pessach nach Unterfranken"

  Titelbild Zu Pessach nach Unterfranken
Das jüdische DP-Camp Giebelstadt 1948-49

Hefte zur Regionalgeschichte – Heft 3

Jim G. Tobias

41 Seiten, 1 Abb. schwarz-weiß, EUR 4,80 [D], ANTOGO Verlag, ISBN 3-938286-03-2, 2005

Nach 1945 lebten in der US-Besatzungszone weit über Hunderttausend jüdische Displaced Persons (dt.: verschleppte, entwurzelte Menschen) und warteten auf eine Emigration nach Palästina oder in andere Auswanderungsländer. Allein in den fränkischen Bezirken waren runden 16.000 Juden in knapp 30 Lagern untergebracht. Die amerikanische Militärregierung gestattete den Holocaust-Überlebenden eine weitgehende politische und kulturelle Selbstverwaltung, die vom "Zentralkomitee der befreiten Juden" in München sowie einzelnen Regionalkomitees in Frankfurt, Stuttgart, Regensburg und Bamberg koordiniert wurde.

Für die Mehrheit der in den DP-Camps ausharrenden Juden war eine Zukunft im Land der Täter allerdings unvorstellbar: Ihre Hoffnung richtete sich auf ein freies, ohne Angst vor Verfolgung, selbstbestimmtes Leben in Palästina. Mit der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 wurden die "Wartesäle" nicht mehr gebraucht, die Lager sukzessive zugemacht.

Auch ein im oberpfälzischen Vilseck bestehendes jüdisches DP-Camp sollte im Frühjahr 1948 geschlossen werden. Doch zum Stichtag 1. Januar 1948 lebten dort noch  rund 1.700 Menschen, darunter ca. 600 Kinder. Da nicht alle DPs die Möglichkeit zur sofortigen Emigration hatten, wurde deshalb ab April 1948 mit der Umsiedlung der Bewohner ins unterfränkische Giebelstadt (bei Würzburg) begonnen. Hier war zwischenzeitlich ein neues DP-Camp für Holocaust-Überlebende entstanden. Weil sich zu diesem Zeitpunkt die jüdische Selbstverwaltung in Bamberg bereits im Prozess der Auflösung befand, wurde das Camp Giebelstadt der jüdischen Regionalverwaltung Frankfurt unterstellt.

Das "Jüdische Komitee Giebelstadt" unterhielt beispielsweise einen Kindergarten, einen Theatersaal, eine Berufsschule sowie eine Bibliothek. Die medizinische Versorgung übernahm das "Medical-Department" unter Leitung von Dr. Hirsch, für die Sicherheit sorgte die eigene Lagerpolizei.

Vom Frühjahr 1948 bis zum Sommer 1949 lebten im unterfränkischen Camp knapp 1.700 Männer, Frauen und Kinder und warteten auf die Übersiedlung nach Israel, Kanada, Australien oder in die USA.

Dieses Kapitel der Nachkriegsgeschichte war bislang nicht dokumentiert. Mit Unterstützung der Marktgemeinde Giebelstadt und des Bezirks Unterfranken konnte die Publikation "Zu Pessach nach Unterfranken - Das jüdische DP-Camp Giebelstadt 1948-49" realisiert werden.

letzte Änderung: 06.08.2009
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