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In der unmittelbaren Nachkriegszeit lebten in Franken rund 16.000 jüdische Displaced Persons (DPs). Sie warteten auf eine Möglichkeit zur Auswanderung nach Palästina oder Übersee. Neben den Lagern in Ansbach, Bamberg, Eichstätt, Fürth, Giebelstadt, Hof und Windsheim, bestanden sogenannte Communities in rund 30 Städten und Gemeinden, unter anderem in Bayreuth, Erlangen, Kulmbach, Marktredwitz, Schwabach und Weißenburg.
Mitten in Deutschland entwickelte sich die fast vollständig vernichtete jüdische Kultur Osteuropas zu einer neuen Blüte. Noch nie in der deutschen Geschichte hatte es in so kurzer Zeit eine solche Vielfalt an neugegründeten jüdischen Berufs-, Volks- und Religionsschulen, jiddischsprachigen Publikationen, Theatergruppen, zionistisch orientierten politischen Vereinigungen und Parteien gegeben. In Bamberg und Eichstätt entstanden religiöse Hochschulen; die Überlebenden der Shoa gaben eine jiddischsprachige Zeitung heraus und gründeten eigene Fußballvereine. Dort spielten etwa die Mannschaften von Makabi Fürth, Hakoach Hof, Kadima Schwabach und Hapoel Ansbach um die Meisterschaften in der ersten und zweiten jüdischen Fußball-Liga.
Dieses Kapitel der fränkischen Geschichte ist im öffentlichen Bewusstsein kaum verwurzelt.
Seit über 15 Jahren erforscht Jim G. Tobias u. a. in US-amerikanischen, israelischen und deutschen Archiven das Leben der jüdischen DPs in den „Wartesälen“. In seinem mit vielen historischen Fotos bebilderten Vortrag „Mir sejnen do!“ lässt der Referent die vergessene Welt des jüdischen Neubeginns im Land der Täter wieder auferstehen.
Im Anschluss wird das neue Projekt www.after-the-shoah.org – ein Internet-Lexikon – präsentiert und online gestellt. Über dieses Portal können zukünftig Informationen über alle DP-Camps und -Gemeinden in Bayern abgerufen werden.
Bildunterschrift: Kibbuzniks auf dem Weg zur Feldarbeit. Kibbuz Nili (Landkreis Fürth).
Hasmonea Zeilsheim, Bar Kochba Wetzlar und Makabi Lampertheim
Die jüdischen Fußballvereine und -Ligen in Deutschland 1946–48
Vortrag von Jim G. Tobias am 28. März 2012, 19.00 Uhr
im Eintracht Frankfurt Museum, Commerzbank-Arena/Haupttribüne,
Mörfelder Landstraße 362, 60528 Frankfurt
In der unmittelbaren Nachkriegszeit lebten etwa 200.000 Juden in Westdeutschland, die in zahlreichen Displaced Persons Camps und Communities auf ihre Ausreise nach Israel, Kanada, den USA oder Australien warteten. Doch der Staat Israel wurde erst im Jahre 1948 gegründet und die klassischen Einwanderungsländer hielten ihre Tore lange fest verschlossen.
In dieser Zeit entwickelte sich in den Lagern und Gemeinden ein ausgeprägtes kulturelles, soziales und sportliches Leben. Vor allem der Fußball begeisterte die Menschen: Über 80 Mannschaften kickten in acht Ligen um die Meisterschaft. Das Frankfurter Team Hasmonea Zeilsheim spielte in der ersten Liga und erreichte im Jahre 1947 den Einzug ins Finale. Vor über 5.000 Zuschauern verloren jedoch die Frankfurter mit 0:3 Toren gegen den großen Favoriten Ichud Landsberg.
Bildunterschrift: Die Elf von Hasmonea Zeilsheim im Münchner Stadion an der Grünwalder Straße.
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letzte Änderung: 03.02.2012 webmaster: atg-design
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